Wie Immenstadt zur Wiege der industriellen Bindfadenproduktion wurde
Im Jahr 1855 schrieb Immenstadt im Allgäu ein wichtiges Kapitel der Industriegeschichte: Hier gründete eine Gruppe visionärer Unternehmer die Mechanische Bindfadenfabrik Immenstadt – die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Die Entscheidung für diesen Standort war kein Zufall: Die vorhandene Wasserkraft des Steigbaches und der Anschluss an die neu gebaute Ludwig-Süd-Nord-Bahn machten Immenstadt zu einem wirtschaftlich attraktiven Produktionsstandort schon in den frühen Jahren der Industrialisierung.
Gegründet wurde das Unternehmen von der Kaufmannsfamilie Probst gemeinsam mit weiteren Partnern wie Josef Franz Eichele im Mai 1855 unter dem Namen „Holzhey, Eichele & Co.“. Entscheidend war nicht nur das unternehmerische Gespür der Gründer, sondern auch der Zugang zu internationalem Know-how: Die technischen Grundlagen für die industrielle Fertigung von Bindfäden stammten aus England, dem Mutterland der Textilindustrie, während der Rohstoff Hanf per Eisenbahn aus Italien und Russland eingeführt wurde.